2016 - Zukunft und Ausblick

Eindrücke – Tagung 2016

Veranstaltungsfotos

DER ZUKUNFT VERTRAUEN
IN FREIHEIT UND VERANTWORTUNG

3. Internationale Tagung des Projekts Frauen und Reformation
17.-18. Juni 2016

Vom 17.-18. Juni 2016 fand im Albert Schweitzer Haus in Wien die dritte internationale Tagung zum Thema Frauen und Reformation statt. Sie hatte den Titel „Der Zukunft vertrauen in Freiheit und Verantwortung“ und betonte den europäischen Aspekt der Herausforderungen gesellschaftlicher Transformationsprozesse und der Zukunftsgestaltung in multiethnischen, multikulturellen und multireligiösen Gesellschaften.

Die Tagung stand im Rahmen vielfältiger Auseinandersetzungen um die Auswirkungen der Reformation auf die politischen, religiösen und kulturellen Entwicklungen in Europa. An dem kirchlichen Erneuerungsprozess vor fast 500 Jahren waren Frauen in vielfältiger Weise beteiligt. Gerade im Schul- und Bildungsbereich haben sie sich für eine gleichberechtigte Teilhabe von Mädchen und Jungen, von Frauen und Männern eingesetzt und waren somit Pionierinnen einer gerechteren Gesellschaft. Das ist immer noch zu wenig bekannt.

Nachdem die vorangegangenen Tagungen Lebenssituationen und Handlungsmöglichkeiten im Mittelalter (2012) sowie Bildung  von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart (2014) fokussierten, standen nun Fragen der Zukunftsgestaltung im Mittelpunkt des zweitägigen Treffens im Juni 2016.

Zielgruppen waren Frauen und Männer unterschiedlicher Generationen, kirchlich und nicht-kirchlich engagierte Menschen und Initiativgruppen, Multiplikator_innen, die Verantwortung für zukunftsfähige Veränderungsprozesse übernehmen wollen. PartnerInnen und Organisationen aus Österreich, Deutschland, Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn waren an diesem gemeinsamen Austausch beteiligt.

Zur Vorbereitung der Tagung und Themensetzung waren Meinungen, Wünsche und Visionen junger Frauen in den beteiligten Ländern eingeholt worden. Sie flossen in die Ausgestaltung des Tagungsprogramms und die gewählten Diskussionsformate mit ein. Fast alle Befragten hatten genannt, dass Gleichstellung von Frauen und Männern noch immer eine einzulösende Aufgabe ist.

Tagungsverlauf

Die Wechselbeziehungen zwischen Freiheit und Verantwortung gegenüber anderen und uns selbst bei der Gestaltung der Zukunft waren zentrale Fragen der Gespräche. Unter den Stichworten Freiheit – Politik – Verantwortung wurden die gegenwärtigen Ereignisse in Europa und der Welt auf der Basis von Impulsen internationaler Referentinnen an „Thementischen“ betrachtet und die wachsende Rolle von Kirche als „öffentlichem Raum“ thematisiert. Der Zusammenhang von Reformationsgeschichte, Identität und politischem Handeln verdeutlichte sich besonders bei den „Gemischten Doppel“.  Frauen und Männer unterschiedlicher Generationen und europäischer Herkunftsländer unterhielten sich vor dem Plenum über  ihren Werdegang,  Ziele und Hindernisse,  Motive ihres Engagements und Vorbilder, die sie prägen.  

Durch die Veranstaltungskonzeption ist es gelungen, alle Teilnehmenden als aktive Gestalter_innen der Tagung einzubeziehen. Diese Form des lebendigen Austauschs fördert wiederum die Entwicklung neuer, länderübergreifender Vernetzungen.  Als Multiplikator_innen werden die Tagungsteilnehmer_innen Fragen und Ideen, die aufgegriffen wurden, in ihre Gemeinden und Bildungswerke, Universitäten, Schulen und politische Organisationen tragen.

Eine Gruppe von „Prozessbeobachter_innen“ hatte die Aufgabe, Teilschritte und das Gesamtgeschehen der Veranstaltung zu begleiten und zu dokumentieren.  In ihrem abschließenden Bericht betonten sie, dass die Auseinandersetzung mit der individuellen oder kollektiven Geschichte ein Tor in die Zukunft sei und bei allen Programmpunkten zum Tragen kam. Diese Einschätzung ist besonders erfreulich, da es ein Ziel des Projekts „Frauen und Reformation“ war, den Bogen von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft zu schlagen.

Eine Open-Space-Runde gab Raum, um Ideen, Fragen und Wünsche für die Zukunft zu thematisieren. So wurde angeregt, traditionelle Handarbeiten auch als Gelegenheit des kulturellen Austauschs, des gegenseitigen Lernens und Stärkens zu fördern, Orte des Gesprächs und Begegnungsräume vermehrt zur Verfügung zu stellen und der Frage nachzugehen, was bedeutet die Reformation –  besonders nach dem Jubiläum 2017 – für Europa?

Für den Spätsommer ist eine Evaluation des Gesamtprojekts vorgesehen und es wird zu überlegen sein, wie eine mögliche Weiterarbeit zu realisieren ist.